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Warum nicht alle Investoren in die Bernie-Madoff-Falle tappten

Warum nicht alle Investoren in die Bernie-Madoff-Falle tappten

Von Marc Badertscher.

Seltsame Gewinne, Geheimnis-krämerei, zu viel Macht in zu wenig Händen: Es gab Gründe, dem Jahrhundertbetrüger Madoff nicht zu vertrauen.

Über 10 Prozent Gewinn über alle Jahre hinweg: Bernie Madoff schien der zuverlässigste und beste Hedge-Fund-Manager aller Zeiten zu sein. Wer ihm nicht traute, hatte in der Branche ein Problem: Die Anlagechefs von Pensionskassen und Dachfonds erzählen, dass sie «von Investoren unter Druck gesetzt wurden», in Madoffs Geldmaschine zu investieren.

Wer standhaft blieb, tat dies aus Überzeugung. «Bei Madoff fehlte alles, was einen guten Hedge-Fonds ausmacht», sagt ein Investmentchef. Sein Institut möchte wie alle anderen nicht namentlich genannt werden. Niemand will in dieser schweren Zeit hochnäsig wirken und es sich in der Branche mit jenen verderben, die es schlechter gemacht haben.

dubiose Strategien

Doch was diese Anlagemanager erzählen, zeigt: Wer wollte, konnte im Fall Madoff deutliche Warnsignale sehen. «Bei der Prüfung eines allfälligen Engagements leuchteten einfach mehrere rote Lampen», sagt ein anderer. Die hellsten waren:

Verdächtige Strategie. Madoff arbeitete mit der sogenannten Split-Strike-Conversion-Strategie. Dabei werden durch Optionsgeschäfte die Verluste, aber eben auch die Gewinne begrenzt. «Wir haben unseren Händlern gesagt, sie sollen das auch machen. Alle erfolgreichen Konzepte werden früher oder später kopiert», erzählt ein Manager. Doch die Rückmeldung von den Optionenhändlern war ernüchternd: Da sei nichts zu machen. Mit dieser Strategie könne man nie die Renditen erzielen, die Madoff seinen Investoren bekanntgab. «Entweder sagt Madoff nicht, was er wirklich macht, oder irgendetwas stimmt sonst nicht», lautete damals das Fazit. Andere Portfolio-Manager kamen zu ähnlichen Schlüssen, indem sie Madoffs Leistung mit Hedge-Fonds verglichen, welche die gleiche Strategie verfolgten.

Unsaubere Struktur. Madoff galt als reguliert, weil er als Händler von der Börsenaufsicht SEC überwacht wurde. Doch seine Investmenttätigkeit fiel nicht darunter. Madoff hatte keinen unabhängigen Administrator, der die Abrechnungen Ende Monat machte und den Fondswert bestimmte. Er hatte keinen unabhängigen Auditor und auch keine unabhängige Depotbank, wo die Wertschriften hinterlegt worden wären. Die Manager für das entscheidende Geschäft entstammten der Familie, der Buchprüfer war unbedeutend und unbekannt. «Das waren Informationen, die man erhielt, wenn man in der Branche nachfragte», erzählt ein Investmentchef.

Keine Auskunft. Wenn man mehr wissen wollte und persönlich bei Madoff vorbeiging, bekam man zwar Café serviert, erfuhr aber nichts. «Es war eine Take-it-or-leave-it-Situation mit schalem Beigeschmack», sagt ein Fonds-Chef.

Im Nachhinein ist man immer klüger. Doch in der Analyse bleiben die Madoff-Abstinenzler dennoch klar: Wer in diesem Betrugsfall ein ungutes Gefühl hatte und trotzdem investierte, war ein Mitläufer. Wer sich seiner Sache sicher war, hat seinen Job schlecht gemacht.

(Tages-Anzeiger)